Bildraum 07
15. September 2016 bis 21. Oktober 2016

HERBERT STAREK

Wanderung durch eine Westentasche

Bildraum 07 | Wien 7, Burggasse 7-9 
Öffnungszeiten: Di-Fr, 13-18 Uhr 

Eröffnung: Donnerstag, 15. September, 19 Uhr

Begrüßung: 
Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung: 
Hartwig Knack, Kunstwissenschaftler und freier Kurator

Mit Dröhnen, Gischt und Ohrensausen steuert Herbert Starek im Bildraum 07 quer über das „Mare Panopticum“ zu den Inseln „Reizvolles Wippen“, „Krawall“ und „Testbild“, navigiert vorbei an den Klippen „Evolution“ und „les vampires“, bis wir uns in den azurblauen Buchten „kindliche Neugier“ und „toter Bruder“ in einem Meer an fantastischen Bezeichnungen verlieren. Die auf dem Computer generierten Kartographien gaukeln anhand ihrer Patina, Knicke und Wasserflecken zwar Echtheit vor, lenken jedoch stets abseits vorgebahnter Wege. Der Maler und Grafiker füllt sie mit humorvollen Kommentaren, verpflanzt Aphorismen aus Poesie und Philosophie neben Absurditäten aller Art und schafft so, in bester surrealer und dadaistischer Tradition, Werke voller nicht eingelöster Versprechen.

Für seine „Schleierhaften Karten“, wie Starek die Serie selbsterklärend betitelt, entlehnt er sich von Magritte die kontradiktorischen Zeichenverwendungen und von Kurt Schwitters den makabren Sinn für Humor. So streut er schelmische Pointen zwischen Flüsse, Richtungsweiser oder Legenden und führt uns mit verzwickten Reimen solange in die Irre, bis sich die Karte als reine Projektion einer verzerrten Welt behauptet. Die Arbeiten sind keine strategischen Darstellungen oder Kontextualisierungen von Wissen, auch dienen sie dem Künstler nicht dazu, die auf dem Plan von Raum und Zeit rational erscheinende Realität durch Eintragungen oder Überschreibungen zu verwischen. Sie sind vielmehr Stareks realutopische Versuche einer steten, persönlichen Neukartierung und dokumentieren ohne Umschweife einen künstlerischen Ausdruck, der Freude am eigenen Fragen, Forschen und Erkunden hat.

Durch den Verzicht auf jegliche Interpretationsmuster erhalten auch die BetrachterInnen die Freiheit nach neuen Bezugs- und Koordinatensystemen zu suchen und können erspüren wo sie selbst Position beziehen wollen. Es sind die Schätze im Inneren, die es zu erfassen, zu entschlüsseln und miteinander in Bezug zu bringen gilt - hierzu fordert Herbert Starek in seinen Arbeiten auf. Vieles scheint rätselhaft, manches lässt sich dekodieren, manches hingegen bleibt schleierhaft. Doch Unerklärliches schließt sich weder aus noch ein, es kann für eine Wanderung durch Stareks Bilderwelten in einer kleinen Westentasche direkt über unserem Herz gefaltet werden, sich ineinander verketten ohne Ketten, man kann selbst Springer sein, von einem zum anderen.

Um diese Saltos zu bewerkstelligen braucht es die Imagination, dass jede Karte zugleich Wirklichkeit, Utopie und große Erzählung ist – oder um es durch Herbert Stareks „Poesiemaschine“ zu sagen: In unbedachten Momenten flüstern dir die leblosen Gegenstände zu: „Wir warten schon so lange auf dich...endlich bist du da...nimm uns jetzt und mach etwas anderes aus uns...das Warten war so lang“.

Ausstellungsdauer: 16. September – 21. Oktober 2016

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage von Herbert Starek

ÜBER DEN KÜNSTLER
Herbert Starek
*1954 in Wien. Lebt und arbeitet in Wien.

AUSBILDUNG
Hochschule für Angewandte Kunst, Wien
Seit 2002 Zusammenarbeit mit Amadeus Cavori

AUSSTELLUNGEN (in Auswahl): 
2016  jardin, kunstraumlangenlois, Gruppenausstellung, Langenlois, NÖ;
2015  Der Trick mit dem gelben Bonbon, Galerie ArtBits, Wien; mapping the world, Gruppenausstellung NöArt, Ausstellungen NÖ;
2014  mapping the world, Gruppenausstellung NöArt, Ausstellungen NÖ/Wien; Editionen, Kunstverein Hans Reh, Wien;
2013  Erfundene Geschichten, Lustige Kumpane, Galerie ArtBits, Wien;
2012  Pendants Parlants (Mumprecht, Scheme, Starek), Kunsthaus Interlaken, Schweiz;
2011  Der kühne Interpret, Galerie ArtBits, Wien;
2010  Die vergessene Kunst der Schnellverwandlung, Galerie Stalzer, Wien;
2008  Die Revue unter dem Tischtuch, Galerie Stalzer, Wien;
2006  welcome to the pleasure dome (mit Herbert Hofer), Kunstbunker Tumulka, München;
2003  Ich bin der beste Tänzer der Welt, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz;
2002  Hear my song, Violetta, Galerie Wolfrum, Wien; ArtBits, Semper Depot, Wien, Gruppenausstellung; Die Welt ist alles, was der Fall ist, Haus Wittgenstein, Wien, Gruppenauststellung;
2001  Alle Dinghe, Galerie Stalzer, Wien; Vom Selbstzweck der Farbe, Museum auf Abruf, Wien, Gruppenausstellung;
2000  Komplementäre Raumvisionen, (mit Wolfgang Eckhard), Kunstverein Finkenstrasse, München; Editionen, Galerie Stalzer, Wien, Gruppenausstellung.

 

Fotocredits:
Herbert Starek, „Die schmalen, schwarzen Gesichter von Passeville“, 70 cm x 100 cm, Pigmentprint, 2016 (Detail) © Bildrecht, Wien 2016;
Herbert Starek, "Die Poesiemaschine", 84 cm x 122 cm, Pigmentprint, 2010 (Detail) © Bildrecht, Wien 2016;
Herbert Starek, "Lillemor - Blom", 85 cm x 112,8 cm, Pigmentprint, 2011 (Detail) © Bildrecht, Wien 2016.

 

 

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