Bildraum 07
12. Mai 2017 bis 16. Juni 2017

JUDITH SAUPPER

Portrait einer Landschaft

 

Bildraum 07 | Burggasse 7-9, Wien 7
Öffnungszeiten: Di-Fr: 13-18 Uhr

Eröffnung: Donnerstag, 11. Mai, 19 Uhr

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung:
Heike Eipeldauer, Kunstforum Wien

Themengespräch: Mittwoch, 31. Mai, 19 Uhr 
Ferdinand Schmatz, Schriftsteller / Universität für Angewandte Kunst, Wien

In ihren Arbeiten, die an der Schnittstelle von Grafik, Fotografie, Skulptur und architektonischem Modell angesiedelt sind, formuliert Judith Saupper einen beeindruckenden medienübergreifenden Denkansatz. Mit großer Sensibilität und einer Fülle an narrativen Details thematisiert sie im Projekt Portrait einer Landschaft den aktuellen Umgang mit Katastrophen und unsere Erinnerungen daran. Den Begriff Landschaft verwendet die Künstlerin dabei als Synonym für Heimat – einen Landstrich der Schutz und Geborgenheit bedeutet, der erlebte Vergangenheit und erträumte Zukunft zu einem ganzen Leben zusammenfasst. Sauppers dystopische Szenarien sind sensible Beobachtungen gesellschaftlicher Tendenzen und Grundängste: wie der Furcht vor Fremden, vor Isolation, der Angst vor dem Unvorhersehbaren, oder vor Kontrollverlust.

Durch dieses Minenfeld an kleinen bis enorm großen Katastrophen navigiert die Künstlerin in großformatigen Tuschezeichnungen, die einen diffusen visuellen Anhaltspunkt zur Verortung der portraitierten Landschaft geben. Tatsachenberichte, Kindheitserinnerungen und Schilderungen zum Thema Heimat liegen als Soundteppich über dem Bildraum 07, Knochenfunde und Steine mit festgehaltenen Schatten lassen die Zeit stillstehen, während Luftbildaufnahmen eine kontaminierte Zone zeigen. Dabei hat Judith Saupper durch ein wiederholt verwendetes Raster einzelne Objekte und Vorkommnisse vermessen und deutet so auf eine aktive Gestaltung und Beeinflussung der Zwischenfälle hin: Vom Mensch gemacht, von langer Hand geplant. Vergleicht man aber die verschiedenen Daten, beschleicht das Gefühl, dass jegliche Kontrolle entglitten ist. Das Raster wird durch seine Abstraktion zu einem System der Vereinfachung und dient nur noch der eigenen Beruhigung.

Hinzu gesellt sich eine weitere Irritation, denn alle vermeintlichen Beweisstücke über einen Zwischenfall sind Fakes – in der gesamten Ausstellung sind keine Originale zu sehen. In Gestaltlose 1&2 hat Judith Saupper Knochen aus Fettstein geschnitzt, ihre Luftbildaufnahmen Die Landschaft wechselt drei mal sind Macroaufnahmen von Modellen, in unterschiedliche europäische Hintergründe wurden die Denkmäler aus Monsterhypotypose #1-9 eingefügt und die Innenraumfotos Heime der Zukunft sind Aufnahmen von Raummodellen im Maßstab 1:75. Die Künstlerin eröffnet hier die Frage, ob in der medialen Bilderflut noch zwischen alltäglichen Unsicherheiten und realen Bedrohungen unterschieden wird, oder es eigentlich erst unsere Ängste sind, die Katastrophen heraufbeschwören.

Judith Sauppers Soundaufnahme ergänzt prophezeiend: „Den Weltuntergang erlebt jeder Mensch für sich allein. Möglicherweise gab es einen Zwischenfall. Man muss die Zeichen deuten können.“

Ausstellungsdauer: 12. Mai – 15. Juni 2017

Mehr Informationen auf der Homepage von Judith Saupper

ÜBER DIE KÜNSTLERIN
Judith Saupper
*1975 in Feldkirch, Vorarlberg.
Lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich

AUSBILDUNG:

2004 Universität für angewandte Kunst Wien, Bühnen & Filmgestaltung, Diplom



EINZELAUSSTELLUNGEN (in Auswahl):

2017 „Portrait einer Landschaft", Bildraum 07, Wien, AT; "möglichkeit erinnerung“, Galerie S&S Wien, AT;
2016 „Portrait einer Landschaft“, A Trans featured by Isolde Nagel c/o Kunstpunkt Berlin, DE;
2014 „Haus & Home“, Judith Saupper, Raumimpuls- Stadtgalerie Waidhofen/ Ybbs, AT; „Das Große Rauschen“, ZF Kunststiftung im Zeppelin Museum, Friedrichshafen, DE;
2013 „Sorgfältige Zukunftsplanung“, Bäckerstrasse4 Plattform für Junge Kunst, Wien, AT;
2012 „Vom Großen und vom Kleinen“, Galerie Stephanie Hollenstein Lustenau;
2011 „Echo“, Kunstzelle WUK, Wien, AT;
2010 „Gute, alte Zeit“, Kunst.Box, Bregenz, AT

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (in Auswahl):

2017 „Cities in Dialogue: Bucharest“ - Vienna, mit Mara Trifu, Creart Centrul de Creație, Artă și  Tradiție al Municipiului București, RO; „Elemente des realen Lebens - Collage und Fotomontage in der zeitgenössischen österreichischen Kunst“, Nö-Art, Rappottenstein, Baden, Gänserndorf, Perchtoldsdorf, AT; „Collage – Decollage“, Villa Claudia Feldkirch, AT; 

2016 IEEB7 7th International Experimental Engraving Biennial Bucarest, Victoria Art Center, RO; photo:vienna, MAK-Ausstellungshalle Wien, AT; 
2015 „Landvermessungen“, mit Elisabeth Wedenig, Bäckerstrasse4, Wien, AT; „… und zeichnend scharf zur Wirklichkeit denkt“. Sabine Marte / Judith Saupper/ Viktoria Tremmel, Bildraum Bodensee, Bregenz, AT; “Innerworldoutside“, mit Olaf Osten, Galerie Bäckerstrasse Berlin, DE; Jubiläumsausstellung 25 Jahre ZF-Kunststiftung, Zeppelin Museum, Friedrichshafen, DE; „Das Prinzip Collage“, Forum Frohner Kunsthalle Krems, AT, „Mind the Gap II“, Bäckerstrasse4, Wien;

2014 „B4 Selection“, Bäckerstrasse4, Wien, AT; „Conditio urbana“, Stadtgalerie Lehen, Salzburg, AT, „urban/ landscapes“, Kunst im IZD Tower, Wien, AT;

2013 Content Art; Container am Karlsplatz, Wien, AT; „Mind the Gap“, Radiator Gallery, New York, US; „passeur“, Galerie White Project, Paris, FR; „The Urban Landscape in Contemporary European Painting“, Palais des Nations, Österreichisches Kulturforum Genf, CH;

2012 „Von Boeckl bis West Kunst nach 1945“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten, AT; „zyklus 7.0 „Ferne Nähe“, Zeitgenössische Kunst aus Mitteleuropa, Stift Lilienfeld, AT; „Sampling“, Konzert der Skulpturen, Ossiach, AT; „Space affairs“, MUSA Wien, AT; „At home, der Blick durchs Schlüsselloch“, Wohnen im Ruhrgebiet – gesehen durch Kunst, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, DE; „from different corners paperworks, artists from international galleries“, Galerie Bart Kunst in Huis, Nijmegen, NL; „migration_standards“, austrian cultural forum Washington DC, US 

Fotocredits:
JUDITH SAUPPER, "Die Landschaft wechselt drei mal 1803/04/VIIdFg, Verdacht auf Lagerung von humanbiologischen Überresten", C-Foto mit Zusatztext hinter Glas, 40 x 30cm, 2016 (Detail)| © Bildrecht, Wien 2017;
JUDITH SAUPPER, "Axiom #08",  Probe in Petrischale auf Hartfaserplatte, 32 x 20 cm, 2016 (Detail)| © Bildrecht, Wien 2017;
JUDITH SAUPPER, "Die Zukunft ist nicht mehr an ihrem Platz #2", 2016, collagierte Tuschezeichung, 90 x 143 cm | © Bildrecht, Wien 2017;
JUDITH SAUPPER, "Gestaltlose #1", Speckstein auf Filz in Schaukasten, 50 x 40 cm, 2016 (Detail) | © Bildrecht, Wien 2017;

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