Bildraum Bodensee
21. November 2018 bis 01. März 2019

MANFRED BOCKELMANN

Zeichnen gegen das Vergessen


Bildraum
 Bodensee | Seestraße 5, Bregenz
Di, Do: 13-18 Uhr | Fr, Sa: 11-16 Uhr 

Eröffnung: Dienstag, 20. November 2018, 19 Uhr  

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung:
Stefan Pumberger, Belvedere Museum Wien
Manfred Bockelmann, Künstler und Fotograf
Christian Bernhard, Kulturlandesrat

Seit mehr als zehn Jahren widmet sich Manfred Bockelmann in der über hundertvierzig Portraits umfassenden Werkgruppe "Zeichnen gegen das Vergessen" den jüngsten Opfern des NS-Regimes. Die von ihm porträtierten Kinder und Jugendlichen wurden zwischen 1941-45 am Wiener Spiegelgrund und in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Hartheim und Theresienstadt sowie anderen Orten systematisch ermordet. Manfred Bockelmann hat es sich zur Lebensaufgabe gesetzt dieser Vielzahl an Namen oder Nummern wieder Gesichter, eine Persönlichkeit zu geben, sie aus dem Strom des Vergessens und aus der Anonymität der Statistik herauszuziehen. 

Mit Kohlestift auf grober Juteleinwand zeichnet Bockelmann in horizontalen Linien ein Abbild nach dem anderen. Dabei stützt er sich auf erkennungsdienstliche Fotos der Gestapo, SS und der Ärztedienste der jeweiligen Konzentrationslager und NS-Einrichtungen. Der Künstler zeigt keine Märtyrer, keine Leichenberge und keine von Krankheit, Folter und Erschöpfung geschundenen Personen. Er zeigt Individuen, denen das Martyrium noch bevorsteht. Bockelmanns Kinder treten mit gestriegeltem Haar in ihren besten Kleidern zur behördlich beantragten Registration an, oder versammeln sich bereits inhaftiert und kahlgeschoren vor dem Lagerfotografen.

Diese Unsicherheit zwischen Leben und Tod gehört untrennbar zur Generation von Manfred Bockelmann: 1943 in Klagenfurt geboren beeinflusste die NS-Vergangenheit Österreichs seine Haltung zu seiner Arbeit als Künstler maßgeblich. Wie andere Jugendliche befragte auch Bockelmann seine Eltern zu deren Rolle und Verhalten im Dritten Reich. Und wie so viele andere, erhielt er nur unbefriedigende Antworten. Doch hat der Künstler das Fragen niemals aufgegeben. „Was ist mit uns passiert, uns, die wir in der falschen Wiege lagen?“ flüstern geschlossene Kindermünder von den mannshohen Portraits.

Die im Bildraum Bodensee gezeigte Serie berührt so direkt und tief, dass geschehen kann, was bisher ungeschehen blieb: Das Trauern um die Kinder, um die niemand mehr weinen konnte, weil alle anderen schon tot waren. „Gegen das Vergessen“ ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Empathie, das Manfred Bockelmann in sanfter Wucht zum Ausdruck bringt. „Die archaische, brüchige, von der Hand des Künstlers geführte Kohle wirkt auf ihre Weise gegen die Kälte und Stabilität der erkennungsdienstlichen Linse, gegen das mörderische, kein Widerreden duldende Arrangement. Dem Ernst dieses Themas kann man nur entsprechen, wenn man das Kreatürliche, das Fragile und Verletzliche, das in besonderer Weise Bedürftige annimmt und aufnimmt, es nicht versteckt, sondern es positiv bestätigt“, so der Kurator Diethard Leopold über die Serie und den Ausnahmekünstler. 

Film und Gespräch: Dienstag, 4. Dezember 2018 um 19 Uhr
Dokumentarfilm „Zeichnen gegen das Vergessen“
2015 | 67 min | Regie: Bärbel Jacks
Stephan Matyus, Leiter des Gedenkbüros der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
im Gespräch mit Manfred Bockelmann

Mehr Informationen auf der Homepage von Manfred Bockelmann

Ausstellungsdauer: 22. November 2018 – 1. März 2019

ÜBER DEN KÜNSTLER
Manfred Bockelmann
*
1943 in Klagenfurt. Lebt und arbeitet in Kärnten

AUSBILDUNG
1962-1966 Studium in Graz: Fresco, Fotografie und Grafik

AUSSTELLUNGEN
2018 
Das Sterben der Blätter, Galerie Frey, Wien;
2013 Zeichnen gegen das Vergessen, Leopold Museum, Wien; Werkschau, Galerie Frey, Wien;
2011 Überschneidungen III, Galerie Judith Walker, Weizelsdorf;
2008 Licht und Schatten, Prom-Galerie München, Deutschland;
2004 Bildhauersymposium Maria Saal
2002 Linie im Raum, Installation in Schloss Dachau, Deutschland;
2001 ZEITRAUM, Installation Schloss Ferlach; 
2000 Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose (Gertrude Stein), Videofilm zur Ausstellung MYTHOS ROSE, Galerie Walker, Schloss Ebenau;
1998 Architektur, Fotoprojekt präsentiert bei Sotheby’s Wien; Glasfenster, Auftragsarbeit;
1992 Das Blau der Erde, Retrospektive, Fondation Vasarely, Aix-en-Provence, Frankreich
1990 Reise durch Japan – TATAMI Arbeiten

 

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