Bildraum 07
30. März 2017 bis 05. Mai 2017

MICHAEL ENDLICHER

WAS TUN? Frage nicht!

 

Bildraum 07 | Wien 7, Burggasse 7-9 
Öffnungszeiten: Di-Fr, 13-18 Uhr

Eröffnung: Donnerstag, 30. März 2017, 19 Uhr

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht 
Zur Ausstellung:
Renée Gadsden, Universität für angewandte Kunst Wien

Finissage: Donnerstag, 27. April, 19 Uhr
Günther Oberhollenzer, Kunsthistoriker und Kurator 
im Gespräch mit Michael Endlicher

Sprache ist Ausgangspunkt und Arbeitsmaterial von Michael Endlicher. Eine seiner Strategien ist es, die Bedingungen des Kunstschaffens durch Texte in seinen Arbeiten – zwischen schnellem Witz und tiefsinniger Analyse – zu visualisieren. Im Bildraum 07 zeigt er einen themen- und medienübergreifenden Querschnitt aus „sprechenden Arbeiten“ der letzten Jahre, wortwörtlich mit dem Automagic Mirror und dem Video Discussion, mit Dramenblechwürfeln, Leuchtkästen und einer vielschichtigen „Andachtswand“ in Petersburger Hängung.

Die Dramenbleche wirken zunächst wie trockene Konzeptarbeiten, wäre da nicht die innere Dramatik, die sie entwerfen: „92 - Wahrheit - Politik –Schmerz“ oder „87 - Weltbild – Praxis – Militär“. Auf Basis eines Zahlencodes enthält jedes Blech drei Worte und den für alle drei gültigen Zahlenwert. Endlicher lässt narrative Strukturen entstehen, die vergessen machen, dass hier vorgegebenes Sprachmaterial mathematisch kombiniert wird. Zu schwebenden Kuben, zu Würfeln zusammensetzt, lassen sie darüber hinaus Heideggers Postulat des „Ungefragt in die Welt geworfen seins“ anklingen. Endlicher lässt auch seinen sprechenden Spiegel Automagic Mirror zu Wort kommen. Dieser beginnt seinen sonoren Aufritt mit dem meditativen Satz „Ich bin ganz ruhig“, dem viele andere als Zauberformeln der Autosuggestion folgen um in einer sechsminütigen Litanei zwischen „Ich bin ein Vorbild“, „Ich mach mir nichts vor“ und „Mir ist alles egal“ seine Selbstbespiegelung zu entfalten.

In dieser Melange von Existenzkonstruktionen finden sich Künstler und Betrachter zwischen reflektierten und gelebten Identitäten. Im sprechenden Spiegel lässt Endlicher anklingen, was in seiner Videoarbeit Discussion vertieft wird – die Diskrepanz zwischen leben, um Kunst zu machen und Kunst zu machen, um zu (über)leben. Dabei übt sich Endlicher einmal mehr im Rezitieren von ausgewählten Aussagen über zeitgenössische Kunst. Diesmal lässt er jedoch im Büßergewand des Erkrankten dem Betrachter so gut wie keine Chance, den einzelnen Gedanken zu folgen: gleichzeitig dozieren zwölf Endlichers die Weisheiten anonymer Kunstkritiker. Maximale Erklärungskompetenz schaukelt sich auf zur unverständlichen Kakophonie, nach zweimaligem Durchlauf ist am Ende doch noch eine letzte Aussageschleife vernehmbar. 

Michael Endlicher thematisiert Grenzen zwischen Malerei und Text, Konzept und Objekt, zwischen Offenheit und Geschlossenheit, Künstler und Kritiker. Auf die hypertrophe Titelfrage fordert die Ausstellung Antworten ein, die sie im Wienerischen „Frage nicht!“ zugleich ablehnt. Stattdessen verweist sie zurück an den Anfang: auf das brüchige Künstlerselbst zwischen Leben und Kunst.

Mehr Informationen auf der Homepage von Michael Endlicher

Michael Endlicher wird vertreten von: Galerie GPLcontemporary 

Ausstellungsdauer: 31. März – 5. Mai 2017

ÜBER DEN KÜNSTLER
Michael Endlicher 
*1960 in Wien. Lebt und arbeitet in Wien.

AUSSTELLUNGEN (in Auswahl):
2016 GPLcontemporary, 55 years GPL – looking forward, Wien;  GPLcontemporay, Hermeneutische Unschärfen, Wien (solo); Novi Sad Cultural Center, DanubeDialogs 2016, Novi Sad; Neue Synagoge Berlin, The repetition of the Good. The Repetition of the Bad, Berlin; Künstlerhaus Wien, Ich bin der ich nicht bin, Performance (solo);
2015 Galerie Wechselstrom, alfabetosperimentale – ein Fest aus Bildern und Zeichen für Nanni Balestrini, Wien; TU Wien, Wiener Wunderkammer 2015 – What’s Next?; IGBildendeKunst, Handapparat der Neugierde, Wien; Haus der Katholischen Kirche, Suche nach der verlorenen Sprache, Stuttgart; Künstlerhaus Wien, ÜBER:ANGEBOT; BIG Galerie, Gelb. Aktuelle Positionen österreichischer Kunst, Dortmund; Werkstadt Graz, Wider das Zuckerbergmonopol, Performance & Display by CEMS, Graz (solo); Red Carpet Showroom, Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Ein postromantischer Schau(er)kasten, Wien (solo); ZS art Galerie, TextBilder, Wien; 
2014 Künstlerhaus Wien, Celle: Die Welt; austellungsraum.at, Heuriges, Wien; Kulturzentrum bei den Minoriten, Dort wo unsere Sprache endet, komme ich jeden Tag vorbei, Graz; Parallel Vienna 2014; GPLcontemporary, It's the poetry, stupid!, Wien (solo); Heeresgeschichtliches Museum Wien, WAR WAS - Celle performt;
2013 MUSA Wien, Referentieller Querverweis: Ich brauch Tapetenwechsel! CEMS Intervention (solo); contemporary istanbul, 8th Edition, mit GPLcontemporary; Ehem. Bezirkshauptmannschaft Krems, Bound by Authority; Palais Liechtenstein, Gr au  R an d, Feldkirch;
2012 Art.Fair Köln, mit GPLcontemporary; Kunstraum DrDavid, ZACK * ZAUM * ZUSE / Neue Votivbilder, Wien (solo); Galerija Collegium Artisticum, Sarajevo Transit – mit der CELLE/Khaus Wien, Sarajevo; ZS Art Galerie, Wien, Gesichtsfeld – mund hand fuss font; Galerie IG Bildende Kunst, Wien, special edition/initiiert von Hildegard Project;
2011 METAmART, Künstlerhaus Wien, Wir zertifizieren Ihre Kunst! (CEMS); Museum der Unerhörten Dinge, Berlin, Definitiv: Kunst! Eine unerhörte Aktion von CEMS (solo); summerstage open art festival, Wien; GPLcontemporary, Wien, Ich bin ein plurifakter Künstler (solo);
2010 UnORTnung VI, Wien, Charta Incognita (by CEMS); AUTOMAGIC_small, Präsentation (solo): GPLcontemporary, Wien, Basel_back_2; Hot Art Fair, Basel, Art Austria, Wien, Munich Contempo, München, ART.FAIR 21, Köln, Arte Fiera, Bologna, alle mit GPLcontemporary;
2009 MUSA, Wien, Wiener Gerücht; Galerie Kühlraum, Wien, Über-Ich und Du (solo); Sigmund Freud Privatuniversität, Wien, Oktopus; Ö1, Grafik des Monats April: Dramenblech 148; Scope New York, Scope Basel, mit GPLcontemporary;
2008 Institut für Dogmatische Theologie/Die SCHAU, Wien, Ausgelegtes Zeug (solo); Kunst.Messe.2008, Linz, mit Galerie Artmark; Galerie Artmark, Wien, Geometric Figures/ Die Auflösung der Geometrie; Palm Beach 3, mit GPLcontemporary;
2007 Galerie Wolfrum, Wien, NACKT; GPLcontemporary, Wien, automagic (solo); Technisches Museum Wien, Onomatopoetische Kennzeichen bei Spurwechsel. Wien lernt Auto fahren.
2006 GPLcontemporary, Wien, Sculptural Nonsite (solo); Lukas Feichtner Galerie, Wien, Linguistic Turns #2, Ausstellung/Katalogpräsentation (solo).

 

Fotocredits:
MICHAEL ENDLICHER, "90er Dramenblech" (Detail), geprägtes Aluminiumblech, 1+1, 40x50 cm, 2012 | Bildrecht, Wien 2017;
MICHAEL ENDLICHER, "Was tun? Frage nicht." Digitaldruck, gefrästes Acrylglas, (Detail),  62 x 98 cm, 2017 | © Bildrecht, Wien 2017;
MICHAEL ENDLICHER, "Sobjects", Detail Wandinstallation, Bildraum 07, 2017 | Bildrecht, Wien 2017
MICHAEL ENDLICHER, Ausstellungsansicht, Bildraum 07, 2017 | Foto: M. Endlicher | © Bildrecht, Wien 2017;

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