Bildraum 01
23. Februar 2017 bis 28. April 2017

STEFAN ZSAITSITS

Woanders

 

Bildraum 01 | Wien 1, Strauchgasse 2
Öffnungszeiten: Di-Fr, 13-18 Uhr  

Eröffnung: Donnerstag, 23. Februar 2017, 19 Uhr

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung:
Andreas Stalzer, Galerie Edition Stalzer

Finissage: Donnerstag, 27. April, 19 Uhr

Der Strich nervös, frenetisch und doch immer auf das Wesentliche konzentriert, so präsentieren sich die Bleistiftzeichnungen von Stefan Zsaitsits im Bildraum 01. In der aktuellen Werkserie vermengt der Künstler surreale Elemente mit Symptomen des ganz normalen Wahnsinns, verstrickt sich in aberwitzig Groteskem oder jagt seinen schwarzen Humor in unzähligen Strichen über das Papier. Bekannt für seine „kopflastigen“ Arbeiten, die Figuren mit weiten, trostlosen Augen, erweitert Zsaitsits nun sein Spiel mit dem Kindchen Schema und thematisiert die äußeren Umstände, die seine Protagonisten zu bewältigen haben.

Naive Vorstellungswelten verwandeln sich bei ihm in einen atmosphärischen Ausnahmezustand, der tief vergrabene Urängste zum Vorschein bringt. Geschickt pendelt der Zeichner dabei zwischen den zarten Tönen der Unschuld und den Abgründen der menschlichen Psyche. In der Arbeit Geisterbahn etwa steigt Stefan Zsaitsits in die Hochschaubahn des Lebens, die wohl getimt eine endlose Schleife fährt. Es ist die ewig alte Leier, der ewig gleiche Morgen, ein groundhog day ohne Notausstieg. Der nur wenig belustigte Geisterbahnfahrer ist unentwegt damit beschäftigt kleine Dämonen und Monster, Trauma und Drama abzuwehren, sich nicht verschlingen zu lassen, ist dadurch nicht fassbar im hier und jetzt - er ist immer woanders.

In den neuesten Arbeiten haben Zsaitsits’ Figuren wortwörtlich ihren Kopf verloren. Anstelle großer Kulleraugen treten dichte Wolken eines angreifenden Bienenschwarms (Der Imker, 2016), Fratzen hungriger Wölfe und ein wütender Moby Dick, der ein winziges Boot mitsamt Besatzung verspeist (Schattenmann, 2016). Der Künstler öffnet ein zeichnerisches Pulverfass und lässt die grausame Natur des Menschen auf die Umwelt und auf sich selbst los. Bei Zsaitsits ist es bereits zwei vor zwölf. Es brennt nicht nur der Hut, es brennt sogar schon unter Wasser (Tiden, 2016).

Mit feinem Spürsinn und der Kraft seiner Phantasie eröffnet Zsaitsits eine tiefe Ressource, wehrt sich gegen innere und äußere Monstrositäten und bringt diese zu Papier. Sein Strich bricht dabei stellenweise aus, überwuchert die Figuren und bohrt sich wie tausende spitze Pfeile in das Papier. Aus einer längst vergessenen Fabelwelt holt er sich Isegrim und Grimbart an die Seite, schickt einen Igel voraus um wieder Land zu gewinnen – der Künstler gibt nicht kampflos auf.  Beinahe spielerisch verbindet sich in der Ausstellung das Absurde mit dem spürbaren Tiefgang der Bildinhalte. Die Zeichnungen verbleiben zwar im Geheimnisvollen, doch gibt Stefan Zsaitsits suggestiv Möglichkeiten vor um die Arbeiten als Spiegel der Seele bestmöglich zu erkunden. 

Mehr Informationen auf der Homepage von Stefan Zsaitsits

Ausstellungsdauer: 24. Februar – 28. April 2017 (verlängert)

ÜBER DEN KÜNSTLER
Stefan Zsaitsits
*1981 in Hainburg a.d. Donau. Lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich.

AUSBILDUNG
2001-2006 Universität für angewandte Kunst Wien, Adolf Frohner.

AUSSTELLUNGEN (in Auswahl):
2016 Art Austria, Leopold Museum, Wien;
Zwischen Luv und Lee“, Galerie Trapp, Salzburg (Solo);“Bruder Jakob“, Galerie Störpunkt, München (Solo) (D);
2015 „Exhibition #3“, Galerie Störpunkt, München (D); Viennafair, Wien; „Österreichische Zeichnung“, Kunsthaus Horn, Art Fair Köln (D); 
Art & Antique, Residenz Salzburg, Galerie Trapp;
2014 „Zeichnung“, Galerie Lang, Wien; “Plumbum“, Galerie Trapp, Salzburg (Solo); „Wien
Welten“, Galerie Walker, Kärnten; “Wo Linien zittern“, Galerie Lang, Wien (Solo);
2013 „Gemischter Satz“, NOEDOK, St. Pölten;
Art Austria, Leopold Museum; Viennafair, Wien;
2012 „Meine Häupter“, Galerie Lang, Wien (Solo); 
Franz Ringel / Stefan Zsaitsits, Galerie Thurnhof - Kunsthaus Horn; “Girls Girls Girls“, Galerie Lang, Wien; 
Viennafair, Wien; “Kidults“, l'Epatante Gallery, Rennes (FRA);
2011 „Meisterzeichnung VIII“, Galerie Lang, Wien; “Das hat alles irgendwie mit M. E. zu tun (iM Ernst)“, Galerie Lang, Wien; “Terz“, Forum Schloss Wolkersdorf;
2009 „Von Kalmen und Rossbreiten“, Heiligenkreuzer Hof, Wien;
2008 „Weisse Nächte“, Kunstraum Praterstraße, Wien; „Im Zwielicht“, Arbeiterkammer Niederösterreich, Wien;
2007 „Lieder einer Insel“, Kulturzentrum Erbse, Bruck an der Leitha; “Rose, oh reiner Widerspruch“, Galerie Artmark, Wien;
2006 Diplomausstellung "Hirn steht Kopf", Universität für angewandte Kunst, Wien; „Sommerfrisch“, Galerie Artmark, Wien; “WAU WAU“, Galerie Artmark, Bad Aussee;
2005 Kunstakademie, Münster (D); Junger Wein, MAK Museum für angewandte Kunst, Wien; Kunst-Advendtkalender 2005, Rathaus, Wien;
2004 „Figurama“, Augustinerkloster, Prag; Galerie am Lieglweg, NÖ.

STIPENDIEN & PREISE
2014 Art Austria Award
2006 Stipendium der Sophie Fohn Stiftung
2005 Stipendium der Fred Adlmüller Stiftung
2003 Stipendium der Universität für angewandte Kunst, Wien

Fotocredits:
Stefan Zsaitsits, Geisterbahn (Detail), 2017, Bleistift auf Papier 90x90cm © Bildrecht 2017;
Stefan Zsaitsits, Der Imker (Detail), 2017, Bleistift auf Papier 90x145cm © Bildrecht 2017;
Stefan Zsaitsits, Tiden (Detail), 2017, Bleistift auf Papier 90x145cm © Bildrecht 2017.

Ausstellungsarchiv

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