BILDRAUM BODENSEE | ERÖFFNUNG | Rückblick

ERÖFFNUNGSAUSSTELLUNG
11. Juli 2015 bis 25. September 2015

 

Bildraum Bodensee, Seestraße 5, 2. St., Eingang Posthof, Bregenz 6900

Am 11. Juli 2015 eröffnete die Bildrecht mit der Ausstellung „...und zeichnend scharf zur Wirklichkeit denkt“ im alten Postgebäude in Bregenz ihren dritten Ausstellungsraum. Mit dem an der Seestraße gelegenen Bildraum Bodensee expandiert die Bildrecht, deren Präsentationsflächen sich bisher auf Wien beschränkten, in den Westen Österreichs, um dort laut Geschäftsführer Günter Schönberger auch „zeitgenössischen Künstlern aus der Region eine Öffentlichkeit bieten zu können.“ 

Der Bildraum Bodensee liegt in unmittelbarer Nähe zum Kunsthaus Bregenz und dem vorarlberg museum. Auf einer Ausstellungsfläche von rund 220 Quadratmetern wird zukünftig ein Cross-Over von verschiedenen Kunstgenres und Künstlergenerationen in Kooperation mit Museen, Galerien und Festivals zu sehen sein. Ergänzend zu dem in Wien gelegenen Bildraum 01 und Bildraum 07, die beide monatlich vorrangig Einzelausstellungen präsentieren, wird nun auch in Bregenz der Fokus auf ein anspruchsvolles und innovatives Programm gelegt.

Erste Impressionen von der Ausstellung und der Eröffnung finden Sie auf unserer Facebook-Seite

Kunst & Sekt | immer freitags ab 11h
Der Bildraum Bodensee lädt immer freitags ab 11 Uhr zu einem Gläschen Sekt und viel Kunst ein! Besuchen Sie uns gerne nach den Einkäufen am Markt auf eine kleine Erfrischung. Maria Simma-Keller führt Sie durch die aktuelle Ausstellung.

 

ERÖFFNUNGSAUSSTELLUNG

SABINE MARTE  | JUDITH SAUPPER | VIKTORIA TREMMEL
...und zeichnend scharf zur Wirklichkeit denkt.
 Künstlerische Reflexionen zu Edmund Kalb

Ausstellungsdauer: 12. Juli - 25. September 2015

Drei Vorarlbergerinnen widmen sich dem Œuvre des Individualisten Edmund Kalb

In der Ausstellung „... und zeichnend scharf zur Wirklichkeit denkt“ beziehen sich Sabine Marte, Judith Saupper und Viktoria Tremmel auf einen enigmatischen, lange verkannten Künstler -  den Dornbirner und Individualisten Edmund Kalb. Identität und Heimat, offener wie verborgener Widerstand, soziale Isolation und innere Emigration werden in der Beschäftigung mit dem Künstler als Kernthemen aufgespürt und sensibel in Rauminterventionen, Objekten, grafischen Studien, Videos und Performances reflektiert.

Das Oeuvre von Edmund Kalb, der in hochproduktiven Jahren konsequent bis zur vollständigen Abstraktion vordrang, ist mit über 1.000 Selbstportraits einzigartig in der Geschichte der europäischen Kunst des vergangenen Jahrhunderts. Da Kalb nicht nur durch die Fülle an hinterlassenen Zeichnungen, Malereien und schriftlichen Notizen besticht, sondern als phasenweise autark und von der Gesellschaft abgeschottet lebende Persönlichkeit zu betrachten ist, ergibt sich für die Ausstellung ein weites Themenfeld, das sich durch die breitgestreuten Interessen Kalbs - wie Astronomie, Mathematik und Agrikultur - zudem verdichtet. Ergänzend vertieft eine Soundinstallation von Oliver Maklott und Jan Cerha mit Auszügen aus Edmund Kalbs Tagebüchern, Bildinschriften und Notizen die unterschiedlichen zeitgenössischen Reflexionen. Auch der Dokumentarfilm „Erwachen aus dem Schicksal“ gibt Einblick in das Leben von Edmund Kalb. 

Zur Eröffnung führte die Performerin und Videokünstlerin Sabine Marte die Performance Step behind the ropes, nr.2 auf. Eine Geschichte über Tod, Schmerz und Verlust, die auf wahrer Begebenheit beruht, und über die im Fernsehen berichtet wurde, bildet den Ausgangspunkt des Videos. Marte nimmt in ihrer zwanzigminütigen Performance verschiedene Rollen ein, unterstreicht die Tragik und lässt den Betrachter tiefer in das Erlebnis der Protagonistin eindringen. In der Performance fokussiert Marte auf die Lesbarkeit des Dargestellten, die Konstruktion von "Wahrheit" und die Manipulation von Wahrnehmungsprozessen, indem sie spricht, bezeichnet, verzeichnet, die Sprache vorführt und sich selbst ins Bild setzt. Während der Ausstellungsdauer ist zudem die Videoarbeit Gras A/B zu sehen. Hier fragmentiert Marte die Idylle einer menschlichen Begegnung, sowohl auf der Bild- wie auf der sprachlichen Ebene. 

Judith Saupper greift die Faszination Edmund Kalbs an der Mathematik in ihrer Wandinstallation Berechnung der Heimatfähigkeit - angebracht im Entree des Bildraum Bodensee - und in den Collagen Sozialatlas: Grundriss der Schönheit, der Angst und des Alltags auf. Das große Rauschen, eine Papierinstallation von insgesamt sieben Metern Länge, bildet die raumgreifendste Arbeit der Eröffnungsausstellung. In detailgetreuen Szenarien entwirft Saupper eine fiktive Alpensaga zwischen Österreich, Deutschland und Schweiz. In überwältigender, mannshoher Form kommen in der Installation auch die beklemmende Lebensumstände von Edmund Kalb zum Ausdruck, der sich zeitlebens selbst nie der Enge seines Familienhauses und seiner Heimatstadt Dornbirn entziehen konnte. 

In Zeichnungen, Collagen, Fotografien und Objekten verweist Viktoria Tremmel auf die Bedeutung einer bewussten Wahrnehmung der eigenen seelischen Zustände für Edmund Kalb und sein künstlerisches Werk. Insbesondere dem Medium Zeichnung schreibt die Künstlerin die Fähigkeit zur Entäußerung von unmittelbaren Erfahrungen zu. Mit klaren Strichen macht Tremmel die psychischen Verrenkungen sichtbar, für die gesellschaftliche Zwänge verantwortlich sein können. Edmund Kalbs sukzessive Reduzierung des Bildinhaltes, seine konkrete Linienführung und die konsequente Beschäftigung mit unterschiedlichsten Gefühlswelten finden so in den Arbeiten von Viktoria Tremmel ein Echo. 

Weitere Informationen finden Sie auf der jeweiligen Homepage der Künstlerinnen:
Sabine Marte
Judith Saupper
Viktoria Tremmel

Bildraum Bodensee
Eine kulturelle Einrichtung der Bildrecht GmbH 
Seestraße 5, 2. St., Eingang Posthof, Bregenz 6900
Di, Do: 13-18 Uhr | Fr, Sa: 11-16 Uhr

 

Fotocredits: 
VIKTORIA TREMMEL, Collagen, Malereien, Raumintervention, Ausstellungsansicht Bildraum Bodensee, 2015 | Foto: Petra Rainer, 2015| Bildrecht, Wien 2015;
JUDITH SAUPPER, Das große Rauschen, 2014 (Detail)| Papierskulptur, 300 × 780 × 680 cm, Ausstellungsansicht Bildraum Bodensee, 2015 | Foto: Petra Rainer, 2015 | Bildrecht, Wien 2015

 

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