outstanding artist award – Interdisziplinarität: Kurt Hofstetter

outstanding artist award
02. Oktober 2015

Kurt Hofstetter 
Projekt: "Am Ereignishorizont der Ordnung – Neue Irrationale Muster"

In seiner Auseinandersetzung mit generischen Entwurfsprozessen entwickelte der Medienkünstler Kurt Hofstetter eine Methode, die erlaubt, aus einem Element (math.: Tile) unendliche aperiodische Strukturen zu generieren. Er nennt diese Methode "Induktive Rotation". Einfache Tiles oder Found-Footage-Materialien wachsen so zu komplexen sich nie wiederholenden Mustern. Werke, die diese Formel in Raum und Bild setzen, sind in den internationalen Ausstellungen des Künstlers zu sehen. Eine solche Formel war selbst der diskreten Geometrie bisher unbekannt. Die diskrete Geometrie ist ein Forschungsgebiet der Mathematik, das sich mit komplexen Ordnungen beschäftigt. Anders als "klassische" rekursive Verfahren der Geometrie basiert Hofstetters "Induktive Rotation" auf nur einem Ausgangselement.

Konsequent verfolgte der Künstler in den letzten zehn Jahren die Artikulation, Etablierung und Weiterentwicklung seiner Arbeit auch jenseits des Rezeptionsraums Kunst. Gemeinsam mit Dirk Frettlöh (Technische Universität Bielefeld) publizierte er 2015 den Beweis der Aperiodizität seiner Methode an einem der weltweit wichtigsten Institute für Grundlagenforschung in der Mathematik, dem Steklov Institute of Mathematics. In einem Kooperationsprojekt mit der Staatlichen Bundesanstalt für Textil und Informatik in Wien prüfte er erfolgreich die Anwendbarkeit der "Induktiven Rotation" für die Webtechnik. Die innovative Technik führte zu Geweben, die sich durch besondere Reißfestigkeit und Luftdurchlässigkeit auszeichnen.

In den Worten Dirk Frettlöhs: lt should be emphasised that it is very rare that a discovery of such mathematical relevance is made by an artist. (…) In the long run, it may turn out that lnductive Rotation structures yield new insights into the question "what kinds of orders do exist?" (Jurybegründung, Auszug). 

Jury: Reni Hofmüller, MMag. Korinna Lindinger, Univ.-Prof. Rainer Zendron

Kurt Hofstetter
*1959 in Linz, lebt und arbeitet in Wien.
Der Konzept- und Medienkünstler wurde in Wien durch seine permanenten Medieninstallationen Einen Augenblick Zeit am Wiener Südbahnhof und Planet der Pendler mit den drei Zeitmonden in der U-Bahnstation Landstraße Wien Mitte bekannt. Internationale Anerkennung fand er durch sein weltumspannendes Projekt Sonnenpendel sowie durch seine Teilnahme an den Biennalen zuletzt Sevilla 2008 und Venedig 2009.

"Meine zentrale künstlerische Experimentation mit Kreislauf und Parallelität führte mich zur Entdeckung der "Induktiven Rotation" – einer neuen rekursiven Methode zur Generierung von unendlichen, aperiodischen, asymmetrischen Mustern und Pflasterungen (tilings). Diese Muster sind bereits nach der dritten Iteration von einer Komplexität, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Aus der Anwendung der IR-Methode werden Bilder und Skulpturen generiert, die optische Dynamik erzeugen und permanent zwischen Chaos und Ordnung oszillieren. Es geht um neue Strategien, die den Betrachterinnen und Betrachtern bewusstseinserweiternde Erfahrungen entgegen üblichen Wahrnehmungsmustern ermöglichen." (Kurt Hofstetter)

Ausstellungen (Auswahl):
Sharjah Art Museum (2014); La Biennale di Venezia 2009; CAPC Museum of Contemporary Art, Bordeaux; CAAC Museum of Contemporary Art, Sevilla (Biennale 2008); Museum of Modern Art, Moskau; Witte De With Museum, Rotterdam; MuseumsQuartier, Wien; Kunsthaus Graz; ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe; Future Design Institute, Tokio; Triennale India, New Delhi; Kunsthalle Basel; MAK – Museum für angewandte Kunst Wien; Kunsthalle Wien; MUMOK – Museum moderner Kunst Wien u.a.

Permanente Installationen im öffentlichen Raum (Auswahl):
fACING tIME, Technische Universität Wien; N.I.C. – nature is cool, Ecke Langegasse/Laudongasse Wien; Einen Augenblick Zeit, ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe (von 1994-2009 Wien Südbahnhof); Sunpendulum Time-Eyes, Marshall Islands, Tokio, Kolkata, Hong Kong, Dubai, Ensenada, New Orleans, Cairo, Granada, Bermuda, Hawaii; Planet der Pendler mit den 3 Zeitmonden, Bahnhof Landstraße Wien-Mitte

Experimentelle Videoarbeiten mit Barbara Doser – PARALLEL MEDIA:
Präsentationen in mehr als 40 Ländern u.a. La Biennale di Venezia, Image Forum/Japan, Avanto_Helsinki, Viper_Basel, Diagonale, Ars Electronica Festival, Rencontres internationales Paris/Berlin, Internationales Film Festival Rotterdam, file/ Sao Paulo, Melbourne International Film Festival, SONAR/Barcelona, Super Deluxe/Tokio, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Internationales Kurzfilmfestival Hamburg, Curtas Vila do Conde, International Festival of Fine Arts Szolnok, International Kansk Video Festival, Sonambiente Berlin, Next Five Minutes/Amsterdam

Zur Homepage von Kurt Hofstetter

 

Fotocredits:
KURT HOFSTETTER, NIC - nature is cool, 2007-2010, Edelstahlhohlkugel, 59x25x20cm, Bildrecht, Wien 2015;
KURT HOFSTETTER, Inductive Rotation Tilingy, 2008, Bildrecht, Wien 2015.

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