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Foto: EVA KELETY, Aus der Serie „Adapted Memories“, jeweils O.T., (Detail), 2014/15 | © Bildrecht, Wien 2019

Ausstellung

EVA KELETY | Adapted Memories

8. Oktober 2015

Bildraum 01 | Strauchgasse 2, 1010 Wien
Di-Fr: 13-18 Uhr

Eröffnung: Donnerstag, 8. Oktober 2015, 19 Uhr

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung: 
Paulus Rainer, Kunsthistorisches Museum

Alltagsfotos sind Erinnerung, Beweisstück und Trophäe, Dokument und Chronik. Gemacht, um den flüchtigen Augenblick festzuhalten, dem Moment Dauer zu geben. In Zeiten, in denen diese Art der Fotografie allgegenwärtig und immer verfügbar ist, schlägt Eva Kelety einen anderen Weg vor: Ihr Fokus liegt nicht auf dem Einfrieren eines bestimmten Moments, nicht auf dem Konservieren einer Situation für kommende Zeiten. Mit den im Bildraum 01 gezeigten Arbeiten, aus der Serie ADAPTED MEMORIES blickt die Fotografin vielmehr in die entgegengesetzte Richtung - tief in die Vergangenheit.

Ihre Bilder, kahle Räume und brüchige Oberflächen, tragen Spuren von Vergangenem in sich, erinnern scheinbar an Gewesenes und Vorgefallenes. Die menschenleeren Orte lassen Vergessenes erahnen, poröse Oberflächen erzählen von der Erosion der Zeit und geben Blicke auf Darunterliegendes frei. Diese Schichten bleiben uns allerdings genauso verschleiert wie die tatsächliche Geschichte der sichtbar gemachten Orte. Sie sind nicht als Dokument fassbar, nicht als Chronik lesbar. Vielmehr lassen sie Raum für Assoziation und eigene Erinnerung. Es sind Bilder, die den Blick in die Tiefe ziehen, Bilder, die zum Hineinschauen einladen. Dieser Blick in die Tiefe hinein, in eine unerklärte Vergangenheit, auf verborgene Schichten spiegelt dabei den Blick in das eigene Innere, auf Erlebtes, auf Verschüttetes, auf Vergessenes wieder.

Die den Bildern immanenten aber nicht ergründbaren Erinnerungen wollen vom Betrachter adaptiert, durch dessen Assoziationen ergänzt werden. Und so werden abgelebte, entleerte Räume – fest an der Wand fixiert – und spröde, erodierte Oberflächen – fragil im Raum gehängt – durch den Betrachter mit immer neuem Leben gefüllt. Der angebotene Blick zurück, die Dualität von Verfall und gedanklicher Neuschöpfung bilden so letztlich zwei sich ergänzende Seiten der Medaille. Das Zusammenwirken von Künstler und Betrachter führt schließlich zur janusartigen Sicht nach hinten und gleichzeitig nach vorne und spielt mit einer individuell erfahrbaren Realität, die sich zwischen den beiden Polen des Endes und des Anfangs abspielt.
Text zur Ausstellung: Paulus Rainer

Mehr Informationen auf der Homepage von Eva Kelety

Ausstellungsdauer: 9. – 30. Oktober