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Foto: Petra Rainer, Porträt Kurt Hofstetter, 2016 © Bildrecht Wien, 2016
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Foto: Petra Rainer, Kurt Hofstetter, New Arrivals, Ausstellungsdetail, 2016 © Bildrecht Wien, 2016
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Foto: Petra Rainer, Hofstetter Kurt, New Arrivals, Ausstellungsansicht Bildraum Bodensee, 2016 © Bildrecht Wien, 2016

Ausstellung

HOFSTETTER KURT | New Arrivals - Neuankömmlinge

22. November 2016

Bildraum Bodensee, Seestraße 5, 6900 Bregenz
Öffnungszeiten: Di, Do 13-18 Uhr | Fr, Sa 11-16 Uhr

Eröffnung Dienstag, 22. November 2016, 19 Uhr

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht

Zur Ausstellung:
Dr. Rudolf Sagmeister, Kunsthaus Bregenz
Prof. Dipl.-Ing. Christian Spanner, Staatliche Versuchsanstalt für Textil

Der Künstler Hofstetter Kurt hat in seiner Arbeit mit Parallelität und Kreislauf am Ereignishorizont der Ordnung mit Chaos experimentiert und dabei die Methode der Induktiven Rotation entdeckt - eine rekursive Methode zur Bildung von aperiodischen und asymmetrischen Mustern. Durch die Anwendung der Induktiven Rotation auf eine einzige Ausgangsfigur entstehen Muster, die sich nie wiederholen. Der Künstler bezeichnet sie als Irrationale Muster. Materialisiert in Form von Papiercollagen, Prints, Skulpturen und Interventionen an Gebäudefassaden verführen sie mit optischer Dynamik zur visuellen Wahrnehmung. Aus einem dieser Irrationalen Muster leitet der Künstler eine aperiodische Webstruktur ab - die Hofstetter-Bindung. Diese Bindung erweitert fundamental die Kulturtechnik des Webens, da bisher nur periodische Webbindungen bekannt sind.

Im Rahmen eines Feldversuches stellt Hofstetter Kurt den AusstellungsbesucherInnen sowie ausgewählten Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft 50 Hemden und 50 Blusen für die Dauer der Ausstellung leihweise zur Verfügung. Zu ihrer Herstellung wurde 100% Baumwolle nach der Hofstetter-Bindung verwebt, ausgerüstet und fair zu Hemden und Blusen konfektioniert. Es sind Kunstwerke, die im Tragen die sinnliche Erfahrung Hofstetters Irrationaler Ordnung im Gewebe gewähren und durch die Unmöglichkeit des Rapportes insbesondere Unikate sind. In Erweiterung zum White Cube als Ausstellungskonzept definiert dieser Feldversuch das weiße Hemd und die weiße Bluse zum Raum, in dem sich Kunst durch die sinnliche Wahrnehmung im Tragegefühl erschließt. Zu jedem Hemd bzw. jeder Bluse gehört die Kunstpublikation „Hofstetter Kurt - Am Ereignishorizont der Ordnung“, die einen umfassenden Einblick in Hofstetters künstlerisches Werk seiner Irrationalen Muster gibt. In diesem „Bildraum“ wird nachvollziehbar, wie sein kontinuierlich experimentelles Arbeiten wissenschaftliche und technische Disziplinen durchdringt und dort neue Erkenntnisse destilliert. Nach der Ausstellung besteht die Option, das Hemd bzw. die Bluse zu retournieren oder inklusive einem Zertifikat (signiert und nummeriert) zu erwerben. Diese optionale Entscheidung ergibt die resultierende Rückkoppelung des Feldversuchs.

„Es geht darum, neue Erfahrungen entgegen üblichen Wahrnehmungsmustern zu ermöglichen und die künstlerisch konzipierte Irrationalität im Tragegefühl zu prüfen.“ (Hofstetter Kurt, 2016)

Die Künstlerin und Kunsthistorikerin Barbara Doser weist in einem Artikel in der Kunstzeitschrift Fair (14/2016, Seite 46) darauf hin, dass Hofstetter Kurt erstmals die bereits 1921 vom Futuristen Filippo Tommaso Marinetti gestellte Forderung nach taktiler Kunst einlöst (Der Taktilismus. Futuristisches Manifest).

In seinem künstlerischen Feldversuch New Arrivals/Neuankömmlinge geht es um Kunstwahrnehmung über das Sinnesorgan Haut - als taktile Wahrnehmung, die passiv erfolgt, im Vergleich zur aktiven haptischen Wahrnehmung bzw. durch das "Begreifen" über die Hände.

Eines von Hofstetters aperiodischen, asymmetrischen Mustern, das skulptural als Irrationales Gewebe zu Kunst wird, berührt in Form eines Hemdes oder einer Bluse die menschliche Haut und gewährt so zum ersten Mal in der Kunstgeschichte die Wahrnehmung von Kunst über die Hautsensorik. Die Rezeption der taktilen Kunst erfolgt nicht auf dem Wege der kurzfristigen Aufmerksamkeit, sondern mit der Zeit auf dem Weg der Gewohnheit. Hofstetter Kurt nennt dies ambient.

In der Performancekunst der 60er-, 70er- und 80er-Jahre wird die Sinneswahrnehmung über die Hautsensorik zwar thematisiert und es geht um Berührungen unterschiedlichster Art und Ursprungs, die im menschlichen Körper komplexe Erfahrungen auslösen. Der Rezipient bleibt jedoch Betrachter, der sich nur über visuelle Reize die Auswirkung taktiler Reize vorstellen kann.

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage von Hofstetter Kurt.

Ausstellungsdauer: 22. November 2016 - 14. Jänner 2017