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GABRIELE ROTHEMANN
Foto: Gabriele Rothemann | Kleiderschnitt, 2000 (Ausschnitt) | 168 x 237 cm, Pigment auf Büttenpapier, aus Altkleidern geschöpft | Titelgestaltung: studio VIE, Christian Schlager | Reproduktion: Jorit Aust | © Bildrecht, Wien 2020

GABRIELE ROTHEMANN

Eröffnung: 19. März 2020, 19 Uhr

GABRIELE ROTHEMANN

Bildraum 01

19. März 2020 bis 9. April 2020

Gabriele Rothemann setzt sich mit Bildfindungsprozessen auseinander, die sie in ihrer künstlerischen Arbeit durch klare Strukturen und Formen zum Ausdruck bringt. Ein Anliegen der Künstlerin, die seit 2001 als Professorin an der Angewandten die Klasse Fotografie / Bildende Kunst leitet, ist dabei unter anderem das Thema der Nachhaltigkeit.

In ihrer Ausstellung im Bildraum 01 verschränkt die Künstlerin Zeichnung, Skulptur und Fotografie: Dabei zeigt sie Transferprozesse für Konzepte auf, die einer Idee entspringen, aus einem ersten Gedanken resultieren und unterschiedliche Anwendungsbereiche in der künstlerischen Fotografie beleuchten. Verknüpfungen, Assoziationen und Spannungsfelder der menschlichen Natur erzeugen Erinnerungsbilder, die in Gabriele Rothemanns Ausdrucksformen auch soziale Querverweise beinhalten.

Die Arbeit „Block I“ ist als Installation entstanden und war von Beginn an Ausgangspunkt der Idee für ein großformatiges Bild. Die Künstlerin hat dafür den Raum zwischen zwei Mauern mit Kleidungsstücken aus der Altkleidersammlung der Caritas bespielt: Unter und über einem schlichten Tisch stapelte sie Männer-, Frauen- und Kinderkleidung bis zur Decke und hat die geliehenen Kleidungsstücke in zufälliger Un-Ordnung in den Raum gepresst. Die über zweieinhalb Meter hohe Fotografie wird im Bildraum 01 erstmalig präsentiert. Die Zeichnung „Liegende“ ist eine Erinnerung der Künstlerin an eine obdachlose Frau, die lange Zeit an der Außenmauer der Angewandten am Wienfluss auf der Straße gelebt hat. Wie als Schutz lag die Frau mit dem Körper auf ihrem Hab und Gut, das sie in Plastiksäcke gepackt hatte. Irgendwann war sie nicht mehr da, hat sich jedoch als Bild in das Gedächtnis der Künstlerin eingebrannt. So sehr, dass Gabriele Rothemann dieses Bild mit Kaseinfarben an die Wand eines Ausstellungsraums gezeichnet hat. Wie ein Fresko wurde die Arbeit schließlich von der Wand abgenommen und auf einen neuen Träger übertragen. Im Bildraum 01 ist die Arbeit in der Form ebenfalls das erste Mal zu sehen. Die dritte, in der Ausstellung im Original zu sehende Arbeit ist Kleiderschnitt: Auf handgeschöpftem Büttenpapier, von der Künstlerin aus Altkleidern hergestellt, hat sie mit einem Kopierrad und blauem Kopierpapierdas Schnittmuster für ein neues Kleidungsstück übertragen.

In Gabriele Rothemanns Ausstellung spielen Kleidungsstücke keine übergeordnete Rolle, die Interpretation als soziales Medium steht dennoch im Raum: Schon immer ist die Kleidung der Menschen mehr als nur eine zweite Haut - um den nackten Körper nicht zu entblößen oder in ihrer funktionalen Form, als Schutz vor klimatischen Bedingungen, aber auch in existentiell bedrohlichen Situationen. Kleidung wirkt zudem wie eine Art Sprache, die über Material, Form, Farbe und durch die Präsentation ihrer TrägerInnen symbolische Bedeutung entwickelt.
Wir haben, so scheint es, die freie Wahl: anders als in der Tierwelt. Dort wird jede Gattung mit dem Fell ihrer Art geboren, im Gegensatz dazu sind Kleidungsstücke im menschlichen Dasein und in unserer Gesellschaft Ausdruck der eigenen, individuellen Persönlichkeit.



Artist Talk:

Mittwoch, 25. März 2020, 19 Uhr
Rainer Fuchs, Chefkurator mumok im Gespräch mit Gabriele Rothemann

Mehr Informationen über die Künstlerin finden Sie auf der Website von Gabriele Rothemann.

Ausstellungsdauer: 20. März — 9. April 2020



Eine Kooperation der Bildrecht mit der Universität für angewandte Kunst Wien.