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TRICKY WOMEN / TRICKY REALITIES
Foto: Martina Scarpelli, Egg, Videostill, 2018

TRICKY WOMEN / TRICKY REALITIES

Eröffnung: 5. März 2020, 19 Uhr

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TRICKY WOMEN / TRICKY REALITIES
Foto: Martina Scarpelli, Egg, Videostill, 2018

TRICKY WOMEN / TRICKY REALITIES

Artist Talk: 13. März, 17 Uhr

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Foto: Marie Paccou, Un Jour, Videostill, 1998
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Foto: Marie Paccou, Un Jour, Videostill, 1998

TRICKY WOMEN / TRICKY REALITIES | Martina Scarpelli & Marie Paccou

Bildraum 07

5. März 2020 bis 19. März 2020

Tricky Women / Tricky Realities 2020, das Festival für Animationsfilmkunst von Frauen, präsentiert im Bildraum 07 Werke von Martina Scarpelli und Marie Paccou.

Martina Scarpellis Egg feierte Premiere beim Annecy International Animation Film Festival 2018 und wurde bis dato mit über vierzig internationalen Preisen ausgezeichnet. Den darin gezeigten Kampf einer jungen Frau gegen die Anorexie zeichnet Martina Scarpelli zugleich erotisch, abstoßend, witzig und todernst und fängt die ganze Tragik der Protagonistin schonungslos ein.

Dem gegenüber stellt die Ausstellung das Erstlingswerk Un Jour der französischen Trickfilmgröße Marie Paccou. Die surreale Liebesgeschichte gilt seit 1998 als „film that became an instant classic“ und wird im Bildraum 07 in Kombination mit den aktuellen Flip-Book-Serien der Filmemacherin präsentiert.

Artist Talk: Freitag, 13. März, 17 Uhr
Martina Scarpelli im Gespräch mit
Amanda Barbour, Art Director Fem&ist Films

Ausstellungsdauer: 6.- 19. März 2020
erweiterte Öffnungszeiten während des Festivals:
Samstag, 14. März & Sonntag, 15. März, 12-17 Uhr



MARTINA SCARPELLI | Egg

Eine Frau ist alleine mit einem Ei zu Hause eingeschlossen. Es zieht sie an und macht ihr zugleich Angst. Sie isst das Ei und bereut. Sie tötet es. Sie lässt das Ei verhungern.
Egg von Martina Scarpelli feierte Premiere beim Annecy International Animation Festival 2018 und wurde dort sogleich mit dem Jean-Luc Xiberras-Preis ausgezeichnet. Seitdem wurde der Film auf über 150 Festivals gezeigt und erhielt mehr als 40 Auszeichnungen. Egg schildert den Kampf einer jungen Frau gegen die Anorexie, der sich in ihrem Aufruhr beim Essen und Verdauen eines gekochten Eies manifestiert.

Eindrucksvoll verleiht die italienische Regisseurin und Animationsfilmemacherin Scarpelli der gefährlich verlockenden Natur der Essstörung Ausdruck. Dazu projiziert sie die Begierde, die Besessenheit und letztlich die ganze Tragik ihres Charakters auf dieses simple, alltägliche und zugleich symbolträchtige Lebensmittel. Die Protagonistin ist in einem durchsichtigen und zugleich klaustrophobisch-engen Raum eingeschlossen, der auf das Gefühl, von unsichtbaren Kräften verzehrt zu werden und die Selbst-Inhaftierung anspielt. Wie viele von Anorexie oder Bulimie betroffene Personen, ist auch der Film von Ambivalenzen geprägt – zugleich erotisch und abstoßend, sanft und brutal, witzig und todernst präsentiert sich die Filmrealität in diesem eingefallenen, in sich geschrumpftem Lebenskosmos. Dabei zeichnet Martina Scarpelli eine Frau, die ganz und gar nicht zerbrechlich und mitleidserregend, sondern stark ist – und die trotzdem scheitert.

Die Filmemacherin hält die Partitur spärlich, aber wirkungsvoll, während das Sounddesign selbst bei kleinsten Berührungen - vom Schälen des Eies bis zum Lecken mit der Zungenspitze - vor Sinnlichkeit und Hingabe strotzt. Scarpelli selbst verbrachte viel Zeit damit den Film zu redigieren. Sie wollte, dass jedes Bild klar und sauber das obsessive Streben nach Perfektion widerspiegelt, der viele von der Erkrankung Betroffene verfallen. Obwohl zutiefst persönlich, ist Egg ein zutiefst persönlicher und origineller Film, der Klischees meidet und dabei eine größere Wahrheit berührt.

“Optimism is crucial. Relapses are part of the process.
Relapses taught me balance and measure.
I now know when to stop. Yet still, sometimes I don’t.
Relapses taught me forgiveness as well.”- Martina Scarpelli

Trailer "Egg", 12min, 2D/3D Videoanimation, 2018


MARIE PACCOU | Un Jour

Marie Paccou wurde 1974 in Dakar geboren und war 15 Jahre alt, als sie bei einem kleinen Festival in der Nähe von Montpellier die Animation entdeckte. Als Studentin an der EnsAD (Paris) drehte sie ihren ersten Kurzfilm Un Jour, der weltweit zahlreiche Auszeichnungen erhielt, darunter 1998 den European Academy Award for Short Film. Die absurde und emotionale Geschichte einer Frau erzählt Paccou als skizzenhafte Schwarz-Weiß-Animation, ergänzt durch ein philosophisches Voice-over.

Un Jour schildert eine Beziehungsgeschichte, die mit dem überraschenden Auftauchen eines Mannes beginnt, der eines Morgens aus dem Bauch einer Frau zu wachsen scheint. Kein Wunder, dass das neue Arrangement der Protagonistin einige Anpassungen abverlangt. So schneidet sie etwa ein paar breite Löcher in ihr Kleid, so dass der kleine Kerl seine Vorder- und Rückseite herausstrecken kann. In der Mitte des Films treffen wir auf eine andere Frau, der ebenfalls ein Mann aus dem Bauch wächst. Doch dieser Typ trinkt zu viel und hat ein schreckliches Temperament. Die Protagonistin beobachtet das Paar und denkt, dass ihre Beziehung vielleicht gar nicht so schlecht ist. Aber als sie schließlich beginnt, sich in der Situation wohl zu fühlen und sich sogar glücklich zu schätzen, entdeckt sie, dass der Mann plötzlich nicht länger ein Teil von ihr ist - er ist verschwunden. Ein großes rundes Loch ist alles, was übrig bleibt.

Die surreale Liebesgeschichte gilt seit 1998 als „film that became an instant classic“ und wird im Bildraum 07 in Kombination mit den aktuellen Flip-Book-Serien der Filmemacherin präsentiert.

Trailer "Un Jour" von Marie Paccou, 1998


Eine Kooperation der Bildrecht mit
Tricky Women | Tricky Realities 2020
11. bis 15. März, METRO Kinokulturhaus

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