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Foto: Hatschepsut Huss, O.T., Tusche auf Papier, 2016 | Foto: Christoph Liebentritt | Bildrecht, Wien 2018
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Foto: Eva Kelety © Bildrecht

HATSCHEPSUT HUSS | Traumnovelle

Bildraum 01

28. Juni 2018 bis 10. August 2018

Aufspringende Blütenköpfe, Bananenstauden, fangfrische Austern: Das Stillleben als Repräsentation unbewegter Gegenstände, Pflanzen und regloser Lebewesen lotet Hatschepsut Huss anhand ihrer feinfühligen Auseinandersetzung mit Fragen zur eigenen Identität aus.

In großformatigen Zeichnungen widmet sich die Künstlerin im Bildraum 01 dem von Zyklen, Zufällen und Wandlung angetriebenen Prinzip der Natur. Illusionen, Traumbilder und Realität durchmengen sich dabei zu organisch-anthropomorphen Darstellungen, in denen Huss die eigene Seele durchforscht. Entlang der Parameter von Begehren und Verzicht zeigt Hatschepsut Huss ihre doppelbödigen Kompositionen auf Papier. Hier zerfließen die Grenzen zwischen den Geschlechtern, überblenden sich innere mit äußeren Wirklichkeiten, begegnet Sexualität vordergründigem Naivismus.

Huss' Arbeiten berichten vom Leben als geistige Konstitution und Auseinandersetzung mit der Leiblichkeit. Fleisch, Vulva und Penis sind immer wiederkehrende Motive. Die Gruppierungen eng verschlungener Pflanzen und intimer Körperteile ergänzt Huss mit der Darstellung von Haaren und Frisuren. Die Strukturen des Haars, Verknotungen und ständiges Wachstum sowie dessen erotische Bedeutung laden zur Interpretation ein: Geflechte zwischenmenschlicher Beziehungen, emotionale Verbindungen – geformt, in Verwandlung, in Auflösung befindlich.

Es sind träumerische Zustände, in denen das Ich langsam zerfließt, ganz wie Walter Benjamin es beschreibt: „Dein Haar bringt einen ganzen Traum (…) weite Meere enthält es, deren Monsune mich zauberischen Küsten zuwehen, wo der Himmel blauer und tiefer ist.“ Abstrahierte Sternengebilde als Nachglanz erloschener Feuerquellen am Firmament und winzige Luftbläschen eines hundertfachen Ausatmens, die aus dem Dunkel an die Oberfläche drängen stellt die Künstlerin deutlich helleren Zeichnungen gegenüber.

Es sind Symbole zweifelhafter Lust und rauschhaften Zaubers, Zeichenspuren diffuser Träume und Erinnerungsblasen. Als positive und zugleich destruktive Energien tragen sie in Huss' Mikrokosmen ästhetische Früchte. In der Verknüpfung multipler Realitätsebenen, dem Spiel mit Licht und Dunkelheit, Eros und Thanatos, gelingt es Hatschepsut Huss in "Traumnovelle" die Vielfältigkeit unserer Innenwelten einzufangen.


Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage von Hatschepsut Huss

Ausstellungsdauer: 29. Juni - 10. August 2018